A Hen in the Wind
Japannual
Yasujiro Ozu | JP 1948 | 84 min | OmeUMit: Kinuyo Tanaka, Shuji Sano, Chieko Murata, Chishu Ryu
In den unsicheren Monaten nach dem Krieg lebt Tokiko mit ihrem kleinen Sohn Hiroshi in einer schäbigen Unterkunft in Tokyo und wartet voller Sorge darauf, dass ihr Mann Shuichi aus dem Militärdienst zurückkehrt. Sie kämpft darum, mit ihrem mageren Einkommen als Näherin über die Runden zu kommen, und verkauft ihre letzten Habseligkeiten, während die Preise steigen und das Geld knapp wird. Als Hiroshi plötzlich schwer erkrankt und ins Krankenhaus eingeliefert wird, steht Tokiko vor einer unmöglichen Entscheidung. Da sie kein Geld mehr hat, wendet sie sich an ein Bordell und verbringt eine einzige Nacht als Prostituierte, um die Arztrechnungen ihres Sohnes zu bezahlen. Einige Wochen später kehrt Shuichi zurück, und Tokiko weigert sich, zu verheimlichen was geschehen ist. Ihr Geständnis zerstört das zerbrechliche Glück ihres Wiedersehens. Obwohl Shuichi rational versteht, dass sie aus Verzweiflung gehandelt hat, zehren sein Groll und seine Eifersucht, aber auch sein verletztes Männlichkeitsgefühl nach und nach an ihm. Er ist besessen von dem Gedanken, dass sie „befleckt“ worden sei, auch wenn andere Frauen ihn veranlassen, sich mit der Heuchelei und der wirtschaftlichen Not auseinanderzusetzen, die der Prostitution zugrunde liegen.
A Hen in the Wind war Yasujiro OZUs zweiter Film nach seinen Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg. Im Unterschied zu seinen Vorkriegsarbeiten beschreibt der Film deutlich direkter die raue gesellschaftliche Gegenwart und scheut sich nicht vor sozialkritischem Melodram. Noch ist der Regisseur nicht bei seiner formalen Strenge angelangt, der Handlungsverlauf steht noch im Vordergrund. Die Auswirkungen des Krieges auf den Einzelnen stehen im Mittelpunkt seines Interesses. Mit Kinuyo TANAKA wählte er erneut einen von Japans größten Stars dieser Zeit für die Hauptrolle. Es war die bereits fünfte Zusammenarbeit der beiden, wenige Jahre bevor Tanaka selbst die Regie in ihren eigenen Filmen übernahm (Japannual zeigt ihren Film Girls of the Night aus dem Jahr 1961) und OZU dann sogar ein Drehbuch zu einem ihrer Filme beisteuerte. In einer Nebenrolle treffen wir erneut auf OZUs Stammdarsteller Chishu RYU, der nur in zwei von OZUs 54 Filmen nicht mit dabei war.